P-Glykoprotein ABCB1, MDR1

OMIM-Nummer: 171050 (ABCB1), rs1045642

Dipl.-Biol. Birgit Busse


Wissenschaftlicher Hintergrund

Das ABCB1-(MDR1)-Gen kodiert für das sog. P-Glycoprotein (PGP), das als integraler Bestandteil der Zellmembran den energieabhängigen Transport von Substraten aus der Zelle vermittelt. Dies dient dem Schutz der Zelle vor toxischen Substanzen. Im Darm wird dadurch die Resorption von Substanzen kontrolliert, während im Gefäßendothel die Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke reguliert wird. Viele Arzneistoffe (z.B. Antibiotika, Protease-Inhibitoren) sind PGP-Substrate.

Der Polymorphismus c.3435C>T in Exon 26 des ABCB1-Gens korreliert mit der Genexpression und dadurch mit der Menge an PGP. Eine hohe Expression (C/C-Allel) im Intestinum führt zu einer reduzierten Aufnahme der betroffenen Pharmaka in die Blutbahn, während eine niedrigere PGP-Expression (T/T-Variante) mit einer höheren Wirkstoffaufnahme assoziiert ist. Die klinische Relevanz von Polymorphismen im ABCB1-Gen wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Es gibt Hinweise, dass der o.g. Polymorphismus zu einer veränderten Substratspezifität führt. Induktion und Inhibition durch Arzneimittel, Phytopharmaka und Lebensmittel spielen eine wichtige Rolle für die PGP-Expression, wodurch die Transportkapazität für Substrate beeinflusst werden kann.

Hinweis:

Mitterweile sind verschiedene Tests für das ABCB1-Gen auf dem Markt, die andere Polymorphismen als den hier beschriebenen SNP untersuchen. Bitte beachten Sie, dass in unserem Labor derzeit nur der SNP rs1045642 zur Untersuchung angeboten wird.

MDR1/ABCB1 Pharmakogenetik Transporter Mechanismus Zelle mit einer hohen Expression des P-Glycoproteins. Durch die große Anzahl an Transportern in der Zellmembran wird der Wirkstoff zügig wieder aus der Zelle transportiert, so dass die Konzentration in der Zelle niedrig bleibt.
MDR1/ABCB1 Pharmakogenetik Transporter Mechanismus Zelle mit einer niedrigen Expression des P-Glycoproteins. Da sich nur wenige Transporter in der Zellmembran befinden, wird nur ein geringer Anteil des Wirkstoffes wieder aus der Zelle transportiert. In der Zelle besteht eine hohe Wirkstoffkonzentration.

Literatur

Hodges et al, Pharmacogenet Genomics 21:152 (2011) / Jiang et al, Basic Clin Pharmacol Toxicol 103:433 (2008) / Kimchi-Sarfaty et al, Science 315(5811):525 (2007) / Chinn and Kroetz, Clin Pharmacol Ther 81:265 (2007) / Hoffmeyer et al, Proc Natl Acad Sci USA 97:3473 (2000)